ZONEN-MUCKE

Ich habe meinen eigenen Hausmusikanten. Er spielt Blockflöte. Jeden Tag. Ausgiebig. Ganz selten spielt er auch mal Querflöte. Ich konnte allerdings noch nicht herausfinden, ob es da einen bestimmten Flöten-Wechsel-Rhythmus gibt oder ob das einfach nur der Lust und Laune des Spielenden unterliegt; das wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen, eine genaue Strichliste habe ich noch nicht auf meiner Fensterbank liegen. Mein Hausmusikant nutzt die hervorragende Akustik der Fußgängerzone vor meiner Haustür, oder der 30m weiter oder der 60m weiter oder…. Er kniet (aua!) auf dem Boden und spielt und spielt und spielt. Die Gedanken sind frei. Ein Menuett von Bach. Das Te Deum. Que sera sera… Und damit ist sein Blockflötenrepertoire auch schon erschöpft. Das auf der Querflöte ist geringfügig umfangreicher, weshalb ich mich auch über die speziellen Querflöten-Tage freue. Wie wird das wohl zu Weihnachten werden. Ich ahne da etwas…..

Ab und zu kommt ein Drehorgelspieler in die Fußgängerzone (die ich ab hier nur noch „Zone“ nenne, wenn auch dieses Wort vor über 25 Jahren noch eine völlig andere Bedeutung hatte). Seine Orgel hat selbstverständlich die alten Hits drauf. Stutzig wird man dann, wenn plötzlich neue Popmusik im alten Orgel-Sound daraus erschallt. Schon öfter habe ich daran gedacht, den Menschen zu fragen, ob das nicht vielleicht-eventuell-doch-mal-sehen ein mp3-Player in seiner Kiste ist, traue mich aber irgendwie nicht; wir müssen ja alle von etwas leben. Sein Zylinder ist jedenfalls echt.

Desweiteren und sehr regelmäßig kommt ein Sänger, der, in dunklem Anorak, bewaffnet mit lilafarbener Sport-Tasche, mit klassisch anmutender Stimme u.a. „Autumn leaves“ zum Besten gibt, einen alten französischen Schlager, der jedoch zumeist von Jazz-Musikern gespielt wird. Nur selten landet eine Münze in seinem Sammelbehältnis. Ob das nun daran liegt, dass ebenwelches eine knallblaue Plastikschüssel ist, die man eher einem anderen (vielleicht etwas ekeligerem) Zweck zuschreiben würde, das vermag ich nicht zu beurteilen. Ich finde, er macht seine Sache ganz gut.

Als letztes möchte ich eine mexikanische singende Familie erwähnen, zwei Eltern, zwei Jugendliche und zwei Kinder. Der Vater steht hinter seinem Keyboard und bedient die Begleitautomatik. Alle zusammen singen sie die typischen mehrstimmigen mexikanischen Lieder, perfekt intoniert als würden sie seit 20 Jahren nichts anderes tun; die Gesichter verraten allerdings wenig Freude. Schade. Ihre Musik ist schön.

Der Bergisch Gladbacher an sich ist sehr Musik-affin; er liebt seine musikalischen Lokalhelden, wie überhaupt alles, was aus der Gegend kommt. Aus dem Bergischen und aus Köln. Vor allen Dingen dessen FC.
Früher hat mich das verwundert. Heute kann ich es verstehen und freue mich über eine Verbundenheit, die sich, ganz langsam aber stetig, auch in meine Adern schleicht…

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NEUE AUSSICHTEN

Seit einigen Tagen lebe ich wieder in der kleinsten Großstadt Deutschlands: Bergisch Gladbach. Hier wurde ich geboren, hierhin hat es mich immer wieder zurückgezogen. Warum, das habe ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gewusst, denn eigentlich war der Begriff „Heimat“ für mich nie wirklich besetzt. Als Tochter und Enkelin im 2. Weltkrieg Vertriebener durfte ich als junges Mädchen sechs Jahre in London leben, habe an der Essener Folkwang Universität der Künste Musik studiert und nach Hamburg geheiratet. In der Retrospektive war das eine emotionale Achterbahnfahrt, nirgendwo und überall bin ich zuhause. WAR ich. Denn so ganz langsam bekomme ich eine Ahnung davon, was „Heimat“ bedeutet….

…und warum ich diese Stadt so liebe. Sie ist ein großer Teil von mir und ich von ihr.
Davon möchte ich Euch hier in meinem Blog erzählen. Von den Menschen, den Musikanten, dem Verkehr, den Geräuschen, den Bildern, den bekannten und den unbekannten Persönlichkeiten, dem Gemeinschaftsgefühl und der Solidarität, meinem Stammtisch. Von den Beklopptheiten des Alltags und den wunderbaren Begegnungen.

Würde mich freuen, wenn Ihr mich begleitet 🙂

Alles Liebe
Ameli